Wie moderne Kassensysteme aufgebaut sind

Bei „Kartenzahlung“ werden in der Praxis oft mehrere Systeme kombiniert. Deshalb sind Preise nur dann vergleichbar, wenn man klar trennt, welche Ebene betrachtet wird.

1) Zahlungsannahme (Terminal / Payment)

Hier findet die eigentliche Karten-Transaktion statt: Terminal/Reader, Autorisierung, Gebühren, Auszahlungen, Stornos, Zahlungsjournal.

  • Transaktionsgebühren (je Kartenart/Vertrag)
  • Terminal: Miete oder Kauf
  • Auszahlungsrhythmus, Beleg-/Zahlungsjournal

Wichtig: Das Terminal kennt oft nur den Betrag – nicht zwingend Artikel, Warenkorb oder Kunden.

2) Verkaufssystem (Kasse / ERP Light)

Das Verkaufssystem ist die eigentliche Kasse: Artikel, Belege, Bedienoberfläche, ggf. einfache Kunden-/Artikelverwaltung. Viele Anbieter liefern hier eine Basis-Kasse, die für kleinere Betriebe ausreichen kann.

  • Artikel-/Preislisten, Belege, Bedienung am POS
  • einfache Kundenverwaltung, Tagesabschluss, Berichte
  • je nach Setup: TSE-Funktion oder TSE-Anbindung

Hinweis: „ERP Light“ ist keine vollständige Unternehmenssoftware, sondern eine kompakte POS-Datenbasis.

3) Unternehmenssoftware (ERP als Daten-Zentrale)

Eine Unternehmenssoftware bildet Prozesse ab und bündelt Daten zentral (z. B. Kunden, Artikel, Rechnungen, Aufträge, Auswertungen, Buchhaltungs-Exporte). Hier müssen die Kassendaten am Ende ausgetauscht und transportiert werden, damit alles in einem System zusammenläuft.

  • CRM, Artikel-/Stammdaten, Prozesse, Auswertungen
  • Exports (z. B. Buchhaltung) und Schnittstellen
  • Automatisierung und konsistente Datenführung

Ziel: Ein sauberer Datenfluss vom POS in die Unternehmenssoftware – statt Insel-Lösungen.

Merksatz: Terminal/Payment ist eine Kosten- und Systemebene. Die Kasse (ERP Light) ist eine zweite Ebene. Die Unternehmenssoftware (ERP) ist die zentrale Ebene für Prozesse und Daten.

Datenfluss: vom Terminal über die Kasse bis in die Unternehmenssoftware

Für eine saubere Anbindung an eine Unternehmenssoftware ist entscheidend, dass Verkaufs- und Zahlungsdaten strukturiert ausgetauscht werden. Je nach Anbieter sind Payment und Kasse getrennt oder kombiniert.

Übersicht: Zahlungsannahme (Terminal/Payment) → Verkaufssystem (Kasse / ERP Light) → Unternehmenssoftware (ERP als Daten-Zentrale)

Grafik zum Datenfluss: Zahlungsannahme (Terminal/Payment) führt über das Verkaufssystem (Kasse / ERP Light) in die Unternehmenssoftware (ERP als Daten-Zentrale).
Datenfluss vom Zahlungsterminal über das Verkaufssystem (Kasse / ERP Light) bis zur zentralen Unternehmenssoftware (ERP).
Praxis-Hinweis: Wenn Payment und Kasse getrennt sind, braucht es eine klare Zuordnung zwischen Beleg (Kasse) und Zahlung (Terminal), damit Daten später sauber im ERP landen.

Grundlagen: Karten, Wallets, Terminal

Welche Zahlungsarten begegnen dir praktisch?

  • Girocard (klassische „EC-Karte“ in DE)
  • Debitkarten (Visa Debit / Mastercard Debit)
  • Kreditkarten (Visa / Mastercard / Amex)
  • Mobile Wallets (Apple Pay / Google Pay) – am Terminal ist das technisch „Kartenzahlung per NFC“

Abgerechnet wird am Ende nach Kartenart/Regelwerk, nicht danach, ob der Kunde Apple Pay nutzt.

Was braucht es im Laden / unterwegs?

  • Terminal/Reader (NFC/Chip, ggf. mit PIN-Pad)
  • Verbindung (WLAN, LAN oder SIM)
  • Zahlungsdienstleister (Acquirer/PSP) für Autorisierung & Abrechnung
  • Kasse (optional): Artikel, Belege, Stornos, Tagesabschluss, Export

So läuft eine Kartenzahlung technisch ab

Merksatz: Terminal → Zahlungsdienstleister → Karten-Netzwerk → Bank → Autorisierung → Beleg/Transaktions-ID → Auszahlung.

Kontaktlos: NFC
PIN: je nach Betrag/Regeln
Storno/Refund: getrennte Vorgänge
Tagesabschluss: je nach System

Warum Belegdaten wichtig sind

  • Belegkopf: Datum/Uhrzeit, Belegnummer, Kasse/Standort
  • Positionen: Artikel, Menge, Preis, Steuer, Rabatt
  • Zahlungen: Bar, Girocard, Debit, Kredit, Split-Zahlung
  • Optional: TSE-Infos (Signatur/Transaktionsnummer)

Wo Kosten entstehen

  • Transaktionsgebühr (Prozent/Fixbetrag)
  • Terminalmiete oder Kauf
  • Kasse/Softwarepakete (wenn genutzt)
  • TSE + Einrichtung/Onboarding (wenn kassenpflichtig)

Gebührenmodelle: Prozent vs. Vertrag

Modell A – Pay-as-you-go

Keine Grundgebühr, dafür fester Prozentsatz pro Zahlung.

  • Gut für: Start, wenige Zahlungen, mobil/Events
  • Vorteil: transparent, sofort nutzbar
  • Nachteil: bei hohem Umsatz oft teurer als verhandelte Konditionen

Modell B – Vertrag / Konditionenstaffel

Monatspauschale und/oder Mindestlaufzeit, dafür oft günstigere Gebühren.

  • Gut für: planbaren Umsatz, stationär, mehrere Kassen
  • Vorteil: bessere Konditionen, mehr Service
  • Nachteil: Bindung, Paketlogik
Praxis: Reine Zahlungsgebühren liegen oft im ähnlichen Korridor. Große Unterschiede entstehen meist durch Hardware, Service, Laufzeiten und (falls genutzt) Kasse/TSE.

Hardware: Miete vs. Kauf

Miete

Realistische Denkspanne: grob 5 € bis 50 € pro Monat je nach Gerät und Servicelevel. Komplettpakete können darüber liegen.

Kauf

Realistische Denkspanne: Reader/Terminals grob 30 € bis 300 €. Profi-Setups (Terminal + Peripherie) können bis 1.000 €+ gehen.


Vergleich: Zahlungsannahme / Terminal (Kostenfokus)

Fokus dieses Abschnitts sind Payment- und Terminalkosten (Transaktionsgebühren, Terminal, Vertragsmodell). Kassensoftware und TSE werden im nächsten Abschnitt separat betrachtet.

AnbieterMonatliche FixkostenTransaktionsgebühr (Vor-Ort)Terminal / HardwareLaufzeitEinordnung / Vertragsmodell
PayPal POS0 €ca. 1,39 %Reader/Terminal KaufflexibelPay-as-you-go-Modell ohne Grundgebühr; Konditionen können bei höherem Umsatz verhandelbar sein.
SumUp0 €ca. 1,39 %Reader KaufflexibelEinfaches Einstiegsmodell ohne Vertragsbindung; Gebühren unabhängig vom Kartenanbieter.
myPOS0 €ca. 0,90 – 1,30 %Terminal KaufflexibelGebühren je Kartenart unterschiedlich; häufig günstige Debit-Konditionen.
Payone0 – 30 €ca. 0,89 – 1,90 %Terminal Miete oder Kaufvertraglich / modellabhängigProfessioneller Acquirer mit individuellen Angeboten; Konditionen abhängig von Volumen und Integration.
Bezahlexperten0 – 30 €ca. 0,99 – 1,19 %Terminal je nach AngebotmodellabhängigKonditionen typischerweise volumenabhängig; häufig individuelle Vertragsangebote.
VR Pay / Volksbank0 – 30 €0 – 1,90 %häufig Miete (stationär/mobil) oder KaufvertraglichHausbankmodell mit Paket- oder Individualkonditionen; Gebühren abhängig von Bank, Umsatz und Kartenmix. Mindestumsatz oder inkludiertes Volumen möglich.
S-Payment / Sparkasse0 – 40 €0 – 1,90 %häufig Miete (stationär/mobil) oder KaufvertraglichBankpakete mit Serviceanteil; Konditionen je Sparkasse individuell. Kombination aus Pauschale und transaktionsabhängigen Gebühren üblich.
Nets / Concardis10 – 40 €0,80 – 1,90 %Miete oder Kauf je SetupvertraglichInternationaler Acquirer; häufig bei größeren Umsätzen oder Filialbetrieben eingesetzt. Integration meist gut möglich.
Mollie POS0 – 10 €ca. 0,80 – 1,80 %Terminal KaufflexibelInteressant bei Kombination von Online-Shop und stationärem Verkauf; einheitliche Zahlungsplattform.
Flatpay0 – 40 €0,80 – 1,90 %Terminal je nach ModellmodellabhängigAngebote häufig paketbasiert oder individuell kalkuliert; Konditionen stark vom Umsatz abhängig.
Zettle by PayPal0 €ca. 1,39 %Reader KaufflexibelÄhnlich PayPal POS mit einfacher Kassensoftware; besonders verbreitet im Kleinunternehmen-Segment.
Kernaussage: Bei Monatsumsätzen im Bereich 5.000 € bis 20.000 € liegen die reinen Zahlungsgebühren vieler Anbieter in einem ähnlichen Bereich. Entscheidende Unterschiede entstehen meist durch Vertragsmodell, Hardwarekosten, Serviceumfang, Auszahlungsrhythmus und Integrationsmöglichkeiten.

Kasse/Software & TSE (separat von Terminalkosten)

Dieser Abschnitt ist die zweite Kostenschicht: Kassensoftware, Belegdaten, CRM/Artikel, ggf. TSE. Das ist nicht „EC-Terminal“, sondern die Software-Ebene, die oft fürs ERP entscheidend ist.

SystemMonatliche KostenTSEEinmalkostenWas ist enthalten?Hinweis zur Zahlungsannahme
etron Kasse Start konkret29,00 € / MonatCloud-TSE z. B. 124,00 € / 12 MonateOnboarding z. B. 99,00 € einmaligKasse/Backoffice (Artikel, Kunden/CRM, Belege, Auswertungen; je nach Paket mehr)Zahlungsannahme kommt über separaten Payment-Provider/Terminal + ggf. Schnittstelle/Integration.
PayPal POS (Software-Anteil) konkret0 € (Basis)TSE (bei niedrigem Umsatz) z. B. 9,90 € / MonatBasis-POS-Funktionen (je nach App/Einrichtung), Belege/Artikel im einfachen RahmenHier ist Payment + einfache POS-Software „in einem“ gebündelt (Terminal/Reader optional).
Warum diese Trennung wichtig ist: Terminal/Paymentkosten sind eine Ebene. Kassensoftware/TSE/Exports sind eine zweite Ebene. Für ERP-Anbindung ist die zweite Ebene oft der Engpass.

Beispielrechnungen (5.000 € / 10.000 € / 20.000 €)

Annahmen: Kartenmix 60% Girocard, 30% Kreditkarte, 10% Debitkarte (Visa/MC). Ziel ist die Sichtbarkeit: Die Gebühren liegen häufig nah beieinander.
Bezahlexperten: Umsatz × 1,19% (bis 10k), ab 20k Beispiel 0,99%
SumUp: Umsatz × 1,39%
PayPal POS: Umsatz × 1,39%
Payone: Giro×0,89% + Kredit×1,90% + Debit×0,89%
myPOS: Giro×0,90% + Kredit×1,30% + Debit×1,30%
etron (Software-Schicht, 1. Jahr):
29,00 €/Monat + (124,00 €/12) + (99,00 €/12) = 47,58 €/Monat (zusätzlich zum Payment)
SzenarioUmsatz/MonatBezahlexpertenSumUpPayonemyPOSPayPal POS+ etron Software-Schicht
Café5.000 €59,50 €69,50 €59,65 €53,00 €69,50 €+ 47,58 €
Friseur10.000 €119,00 €139,00 €119,30 €106,00 €139,00 €+ 47,58 €
Boutique20.000 €198,00 €278,00 €238,60 €212,00 €278,00 €+ 47,58 €
Interpretation: Paymentgebühren liegen nah beieinander. Wenn du eine „richtige“ Kasse brauchst (Artikel/CRM/Exports/TSE), kommt die Software-Schicht zusätzlich dazu – unabhängig vom Terminalanbieter.

ERP-Anbindung: Welche Daten wirklich gebraucht werden

Mindestdatensatz je Beleg

  • Beleg-ID / Belegnummer (eindeutig)
  • Datum/Uhrzeit, Standort/Kasse, Bediener
  • Positionen: Artikel-ID, Text, Menge, Preis, Rabatt, Steuersatz
  • Summen: Netto, Steuer, Brutto
  • Zahlungen: Bar/Karte je Kartenart, Split möglich
  • Optional: TSE-Referenzen je Beleg

Integrationswege

  • API (ideal): Belege in Echtzeit
  • Export/Import (CSV/DATEV/DSFinV-K): täglicher Importjob
  • Connector: wenn mehrere Systeme vereinheitlicht werden sollen

Für 1–3 Systeme zählt: gleiche Beleglogik, gleiche Zahlungsarten, gleiche Exportstruktur.


ERP-Anbindung: Welche Daten wirklich gebraucht werden

Mindestdatensatz je Beleg

  • Beleg-ID / Belegnummer (eindeutig)
  • Datum/Uhrzeit, Standort/Kasse, Bediener
  • Positionen: Artikel-ID, Text, Menge, Preis, Rabatt, Steuersatz
  • Summen: Netto, Steuer, Brutto
  • Zahlungen: Bar/Karte je Kartenart, Split möglich
  • Optional: TSE-Referenzen je Beleg

Integrationswege

  • API (ideal): Belege in Echtzeit
  • Export/Import (CSV/DATEV/DSFinV-K): täglicher Importjob
  • Connector: wenn mehrere Systeme vereinheitlicht werden sollen

Für 1–3 Systeme zählt: gleiche Beleglogik, gleiche Zahlungsarten, gleiche Exportstruktur.